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Ratgeber · Kaufvertrag

Grundbuch lesen und Vorkaufsrecht: Was Verkäufer und Käufer wissen müssen

Das Grundbuch zeigt, wem eine Immobilie gehört und welche Rechte und Lasten auf ihr liegen. Dieser Ratgeber erklärt den Aufbau Schritt für Schritt, zeigt typische Eintragungen und erläutert, wann beim Verkauf ein Vorkaufsrecht der Gemeinde oder des Mieters greift.

Von Carsten Amtmann

Das Grundbuch ist das amtliche Register für Grundstücke. Es zeigt, wem eine Immobilie gehört, welche Rechte Dritte daran haben und welche Grundschulden eingetragen sind. Für jeden Verkauf ist es die wichtigste Unterlage. Wer es lesen kann, erkennt früh, ob es Hindernisse gibt.

Aufbau des Grundbuchs

Jedes Grundbuchblatt ist gleich aufgebaut:

Teil Inhalt Beispiele
Aufschrift Amtsgericht, Grundbuchbezirk, Blattnummer „Amtsgericht …, Grundbuch von Rodgau, Blatt …“
Bestandsverzeichnis das Grundstück selbst Gemarkung, Flur, Flurstück, Lage, Größe; bei Wohnungen der Miteigentumsanteil
Abteilung I Eigentümer Name, Anteil, Grund des Erwerbs (Auflassung, Erbfolge)
Abteilung II Lasten und Beschränkungen Wegerecht, Wohnrecht, Nießbrauch, Vorkaufsrecht, Vormerkungen
Abteilung III Grundpfandrechte Grundschulden, Hypotheken mit Betrag und Gläubiger

Bei Eigentumswohnungen gibt es ein eigenes Wohnungsgrundbuch. Im Bestandsverzeichnis steht der Miteigentumsanteil am Grundstück, verbunden mit dem Sondereigentum an der Wohnung. Die Einzelheiten regelt die Teilungserklärung.

Abteilung II: Hier wird es wichtig

Abteilung II ist für den Wert oft entscheidend. Typische Eintragungen:

  • Wegerecht oder Leitungsrecht: Ein Nachbar darf über das Grundstück gehen oder fahren, ein Versorger darf Leitungen führen. Meist unproblematisch, aber zu prüfen.
  • Wohnrecht oder Nießbrauch: Eine Person darf die Immobilie bewohnen oder nutzen. Das kann den Wert erheblich mindern – siehe Nießbrauch und Wohnrecht.
  • Vorkaufsrecht: Ein Dritter darf bei einem Verkauf zu den vereinbarten Bedingungen eintreten.
  • Reallast: Wiederkehrende Leistungen, etwa eine Rente aus einer früheren Übergabe.
  • Auflassungsvormerkung: Sichert einen Käufer bis zur Umschreibung.
  • Zwangsversteigerungs- oder Insolvenzvermerk: Ein deutliches Warnsignal.

Alte Eintragungen, deren Berechtigte längst verstorben sind, können oft mit einer Sterbeurkunde gelöscht werden. Das sollte vor dem Verkauf erledigt werden.

Abteilung III: Grundschulden

Hier stehen Grundschulden und – heute selten – Hypotheken. Wichtig: Der eingetragene Betrag sagt nichts über die aktuelle Restschuld aus. Eine Grundschuld bleibt eingetragen, bis sie gelöscht wird, auch wenn der Kredit längst abbezahlt ist.

Beim Verkauf wird die Grundschuld meist aus dem Kaufpreis abgelöst und gelöscht oder an den Käufer abgetreten. Wie das funktioniert, erklärt der Ratgeber Haus verkaufen mit laufendem Kredit.

Rang: Wer zuerst kommt

Die Reihenfolge der Eintragungen bestimmt den Rang. Ein früher eingetragenes Recht geht einem späteren vor. Das spielt vor allem bei einer Zwangsversteigerung eine Rolle: Rechte, die vor dem Recht des betreibenden Gläubigers stehen, bleiben bestehen. Für Käufer heißt das: Ein Wohnrecht im ersten Rang ist besonders „fest“.

Einsicht und Kosten

Einsicht in das Grundbuch bekommt nur, wer ein berechtigtes Interesse hat (§ 12 GBO) – Eigentümer, Gläubiger, Notare und Behörden. Kaufinteressenten erhalten den Auszug in der Praxis vom Verkäufer oder mit dessen Zustimmung.

  • Einsicht vor Ort: kostenlos
  • Einfacher Ausdruck: 10 €
  • Beglaubigter Ausdruck: 20 €

Vorkaufsrecht der Gemeinde

Nach dem Baugesetzbuch (§§ 24 ff. BauGB) kann die Gemeinde in bestimmten Fällen ein Vorkaufsrecht haben, zum Beispiel:

  • in Sanierungsgebieten oder städtebaulichen Entwicklungsbereichen,
  • in Umlegungsgebieten,
  • bei Flächen, die im Bebauungsplan für öffentliche Zwecke vorgesehen sind,
  • wenn die Gemeinde eine besondere Vorkaufssatzung erlassen hat.

Dieses Vorkaufsrecht steht nicht im Grundbuch. Der Notar fragt nach der Beurkundung bei der Gemeinde an. Sie hat zwei Monate Zeit, sich zu erklären. In den allermeisten Fällen verzichtet sie und stellt ein Negativzeugnis aus. Erst danach kann der Käufer als Eigentümer eingetragen werden. Mehr zum zeitlichen Ablauf im Ratgeber Notartermin.

Vorkaufsrecht des Mieters

Wurde eine vermietete Wohnung nach Einzug des Mieters in eine Eigentumswohnung umgewandelt, hat der Mieter beim ersten Verkauf ein gesetzliches Vorkaufsrecht (§ 577 BGB). Details im Ratgeber Vermietete Immobilie verkaufen.

Vertragliche Vorkaufsrechte

Ein dingliches Vorkaufsrecht kann auch vertraglich vereinbart und in Abteilung II eingetragen werden – etwa zugunsten von Geschwistern oder Nachbarn. Es gilt dann gegenüber jedem Käufer. Verkäufer sollten früh klären, ob der Berechtigte sein Recht ausüben will.

Checkliste: Grundbuch vor dem Verkauf prüfen

  1. Stimmen Eigentümer in Abteilung I? Bei Erbfall: Grundbuch berichtigen lassen.
  2. Gibt es Rechte in Abteilung II, die gelöscht werden können?
  3. Welche Grundschulden stehen in Abteilung III, und wie hoch ist die tatsächliche Restschuld?
  4. Liegt das Grundstück in einem Sanierungs- oder Umlegungsgebiet?
  5. Passt das Bestandsverzeichnis zur Flurkarte und zur tatsächlichen Nutzung?

Eine vollständige Liste aller Verkaufsunterlagen finden Sie in der Checkliste Unterlagen.

Kurz zusammengefasst

  • Das Grundbuch besteht aus Aufschrift, Bestandsverzeichnis und den Abteilungen I (Eigentümer), II (Lasten) und III (Grundschulden).
  • Abteilung II mit Wohnrecht, Nießbrauch oder Vorkaufsrecht beeinflusst den Wert oft stark.
  • Der Betrag einer Grundschuld sagt nichts über die Restschuld aus.
  • Einsicht nur mit berechtigtem Interesse; Auszug 10 € bzw. 20 € beglaubigt.
  • Die Gemeinde kann in bestimmten Gebieten ein Vorkaufsrecht haben; der Notar holt das Negativzeugnis ein.

Sie sind unsicher, was eine Eintragung für Ihren Verkauf bedeutet? Sprechen Sie uns an – wir prüfen das Grundbuch gemeinsam mit Ihnen.

Häufige Fragen

Wer darf ins Grundbuch schauen?

Jeder, der ein berechtigtes Interesse darlegt (§ 12 GBO). Das sind vor allem Eigentümer, Gläubiger, Notare und ernsthafte Kaufinteressenten mit Zustimmung des Eigentümers. Reine Neugier reicht nicht. Einsicht gibt es beim Grundbuchamt des zuständigen Amtsgerichts oder über einen Notar.

Was kostet ein Grundbuchauszug?

Ein einfacher Ausdruck kostet 10 Euro, ein beglaubigter Ausdruck 20 Euro. Die reine Einsicht vor Ort ist gebührenfrei. Banken verlangen für die Finanzierung meist einen aktuellen Auszug.

Was steht in Abteilung II?

Lasten und Beschränkungen außer Grundpfandrechten: zum Beispiel Wegerechte, Leitungsrechte, Wohnrecht, Nießbrauch, Vorkaufsrechte, Reallasten sowie Vermerke wie Auflassungsvormerkung, Zwangsversteigerungs- oder Insolvenzvermerk. Diese Eintragungen können den Wert stark beeinflussen.

Hat die Gemeinde beim Hausverkauf ein Vorkaufsrecht?

In bestimmten Fällen ja, etwa in Sanierungs- oder Umlegungsgebieten oder wenn eine Satzung besteht (§§ 24 ff. BauGB). Der Notar fragt nach der Beurkundung bei der Gemeinde an. Die Gemeinde kann innerhalb von zwei Monaten entscheiden. In den meisten Fällen verzichtet sie und stellt ein sogenanntes Negativzeugnis aus.

Was ist eine Auflassungsvormerkung?

Eine Eintragung in Abteilung II, die den Anspruch des Käufers auf Eigentumsübertragung sichert. Sie wird kurz nach dem Notartermin eingetragen. Danach kann der Verkäufer die Immobilie nicht mehr wirksam an jemand anderen übertragen oder neu belasten. Erst wenn sie eingetragen ist, zahlt der Käufer den Kaufpreis.

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